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Auslegungsfragen beim neuen Vergütungstarifvertrag für Azubis in der Land- und Forstwirtschaft

Anlässlich unseres neuen Tarifabschlusses für Auszubildende in der Land- und Forstwirtschaft in Bayern haben sich in der Praxis Auslegungsprobleme ergeben, die wir an dieser Stelle klarstellen möchten.

Gemäß dem seit dem 01.10.22 gültigen neuen Tarifvertrag über Ausbildungsvergütungen in der Land- und Forstwirtschaft ist spätestens mit der Vergütung für den Monat Dezember 22 eine steuer- und sozialabgabenfreie Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 150,00 € zu zahlen. Nach dem Wortlaut des Tarifvertrages in § 5 erhalten Auszubildende und Praktikanten, die nicht ganzjährig beschäftigt waren, die Prämie anteilig. In der Praxis stellte sich die Frage, wie nun die Inflationsausgleichsprämie zu berechnen ist, wenn die Ausbildung nicht einheitlich bei einem Betrieb, sondern auf mehrere Zeitabschnitte verteilt, bei verschiedenen Betrieben abgeleistet wird. Nach dem Wortlaut der Vorschrift könnte man der Auffassung sein, dass bei Fortsetzung der Ausbildung beispielsweise auf einem anderen Betrieb ab September 22 dieser Betrieb nur 4/12 der Inflationsausgleichsprämie zu bezahlen hätte, da der Auszubildende dort erst seit 4 Monaten beschäftigt ist. Dies würde jedoch im Endergebnis dazu führen, dass Auszubildende, die ihre Ausbildung in mehreren Abschnitten zeitlich gestaffelt bei verschiedenen Betrieben ableisten, gegenüber denen benachteiligt würden, die nur einen Ausbildungsbetrieb haben. Dieses Ergebnis ist aber von den Tarifvertragsparteien nicht gewollt. Wir stellen daher klar, dass bei der Definition der ganzjährigen Beschäftigung auf den Beginn der Ausbildung als solche und nicht auf den Beginn der Tätigkeit bei dem einzelnen Betrieb abgestellt werden soll.